Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach 15 Jahren im Mainzer Landtag endet für Horst Gies eine prägende politische Etappe. Von 2011 bis 2026 vertrat der CDU-Politiker den Wahlkreis 14 mit Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Grafschaft, Altenahr und Adenau im Landtag in Mainz. Rückblickend sagt der 65-Jährige: „Es war für mich das Wichtigste, stets für die Menschen da zu sein.“ Sein politisches Engagement begann jedoch lange vor dem Einzug in den Landtag. Als Kreisgeschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis Ahrweiler setzte sich Gies für die Interessen der Landwirte und Winzer ein. Dies war keine leichte Aufgabe, denn immer wieder scheiterten Ideen an der Politik. „Irgendwann habe ich mir gesagt: Dann kannst du auch gleich selbst in die Politik gehen“, erinnert er sich. Dabei war Politik für ihn nie Neuland. Vom Schriftführer im CDU-Ortsverband Ahrweiler über das Amt des Ortsvorstehers ab 1999 bis hin zum Kreisbeigeordneten seit 2004: Gies lernte die Kommunalpolitik von der Pike auf. Hinzu kamen Mandate im Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler und im Kreistag und dies bis heute. „Egal in welchem Amt, war mir immer wichtig, bei den Leuten zu sein, zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen“, betont er. Auch im Landtag, dem er 15 Jahre lang angehörte, suchte er trotz der Rolle der CDU in der Opposition stets den Konsens. Gute Verbindungen zur damaligen SPD-geführten Landesregierung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Landtagskollegen aus dem Kreis Ahrweiler – zunächst Guido Ernst, später Petra Schneider – seien dabei sehr wertvoll gewesen.
Das war die schlimmste Zeit unseres Lebens.
Horst Gies und der „Krieg von unten“
Die Flutkatastrophe im Juli 2021 bezeichnet Horst Gies als die einschneidendste Erfahrung seines politischen Lebens. „Das war die schlimmste Zeit unseres Lebens“, sagt er. Gies war nicht nur beruflich betroffen, sondern auch familiär. Besonders schmerzhaft war für ihn auch der Verlust seiner Schwägerin. „Die Flut war ein ´Krieg von unten´“, blickt der Politiker aus Ahrweiler zurück. Unvergessen bleibt für ihn der 11. August 2021. Nachdem sich Landrat Jürgen Pföhler krankmeldete, übernahm Gies als Erster Kreisbeigeordneter für ein halbes Jahr kommissarisch die Leitung der Kreisverwaltung. Gemeinsam mit einem Team, das selbst in hohem Maße betroffen war, habe man einfach funktioniert und sich der Aufgabe gestellt. „Unter dem Radar“ sei damals ein prägender Leitsatz gewesen: Einfach das machen, was nötig ist, ohne Rücksicht auf die blockierende Bürokratie, die bis heute wichtige Projekte bremst. Die eigentlichen Helden der Flut seien jedoch die Ortsbürgermeister entlang der Ahr gewesen. „Die Zusammenarbeit war von Zusammenhalt und Vertrauen geprägt. Das war entscheidend.“ Gemeinsam habe man viel erreicht. Dankbar zeigt sich Gies bis heute für das 30-Milliarden-Euro-Hilfspaket von Bund und Ländern. „Von diesen Mitteln ist vieles bei den Menschen angekommen“, sagt er. „Einiges fehlt allerdings bis heute“, ergänzt Gies.
Arbeiten und Leben zwischen Heimat und „Wohnklo“
Der Alltag des Ex-Landtagsabgeordneten war geprägt von langen Tagen und vielen Straßenkilometern. Frühmorgens begann die Arbeit am Schreibtisch mit E-Mails, Telefonaten und Abstimmungen. Danach ging es regelmäßig nach Mainz. Statt täglich zu pendeln, lebte Gies während der Sitzungswochen in einer kleinen Wohnung, die jedem MdL zur Verfügung gestellt wird. „Luxus war das nicht. Eher ein Wohnklo mit Kochnische wie zu Studentenzeiten“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Von Dienstag bis Donnerstag standen Ausschüsse und Plenarsitzungen auf dem Programm. Ab Freitag war der CDU-Politiker im Wahlkreis unterwegs. „Im Grunde waren es sieben Arbeitstage in der Woche“, sagt er. Und so beschloss er, mehr Ruhe in sein Leben einkehren zu lassen. Denn die Entscheidung, 2026 nicht mehr für den Landtag zu kandidieren, habe nicht nur mit der kräftezehrenden Flutkatastrophe zu tun gehabt. Vielmehr wolle er seiner Familie, die ihn stets unterstützt habe, künftig mehr Zeit widmen. „Meine Familie hat durch meinen beruflichen Einsatz oft auf mich verzichten müssen.“ Dies soll sich nun ändern. Und die Zukunft hat Horst Gies einige Pläne: mehr Zeit mit der Familie, mehr Zeit für seine Hobbys Weinbau und Jagd. „Zu tun gibt es weiterhin genug. Langweilig wird mir sicher nicht.“ Denn ganz aus der Politik verabschiedet sich Horst Gies jedoch nicht. Als Erster Kreisbeigeordneter, Mitglied des Stadtrates von Bad Neuenahr-Ahrweiler und des Kreistages sowie als Vorsitzender des Fördervereins des Krankenhauses und des ASB im Kreis Ahrweiler und in weiteren Ehrenämtern bleibt er aktiv. Und was war das schönste Erlebnis seiner 15 Jahre als Landtagsabgeordneter? Gies muss nicht lange überlegen. Seine Antwort hat nichts mit Politik zu tun: „Das erste Mal meine Enkelkinder im Arm zu halten – das war für mich etwas ganz Unbeschreibliches.“ rob